Einweihung der Heinz-Gärtner-Brücke

Hamburg, 23.08.2013

Rede von Jan Quast MdHB anlässlich der feierlichen Einweihung der Heinz-Gärtner-Brücke in der Jarrestadt mit Bürgermeisterin Dr. Stapelfeldt und Bezirksamtsleiter Rösler.

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin,
liebe Familie Gärtner,
sehr geehrte Vorsitzende und Mitglieder der Bezirksversammlung,
sehr geehrter Herr Bezirksamtsleiter,
meine Damen und Herren,

Zwölf Jahre ist es her, seitdem die Hamburgische Bürgerschaft einem Flächentausch zugestimmt hat, damit eine neue Grünanlage für das dicht bebaute Barmbek, der Johannes-Prassek-Park, und eine Fußgängerbrücke über den Osterbekkanal entstehen konnten, die denneuen Park zu einer gut erreichbaren Verlängerung deszentralen Grünzugesder Jarrestadt macht.

Jan Quast bei der Eröffnung der Heinz-Gärtner-Brücke. Im Hintergrund: die Zweite Bürgermeisterin Dr. Dorothee Stapelfeldt und Bezirksamtsleiter Harald Rösler.

Zwölf lange Jahre für die Bürger, die sich 2001 und 2002 Gedanken gemacht hatten, wie nach Errichtung der Brücke der Jarreplatz hier und die Grünanlage dort, gestaltet werden und sich in ihren Nutzungsmöglichkeiten ergänzen könnten.

Eine lange Zeit für die Anwohner des Platzes und die Nachbarn aus dem Viertel, die sich eine Boule-Bahn für sich selbst wünschten und einen Spielplatz für ihre Kinder, die nun längst ausgezogen sind. Doch das Warten hat sich am Ende gelohnt.Schön ist er geworden, der Park. Und nun ist es so weit, auch die Brücke ist fertig, ein Gewinn für die Jarrestadt. Und sie bekommt heute einen Namen.

Für diesen einen Aspekt, einen guten Namen für die Brücke zu finden, war es hilfreich, diese Zeit zu haben. Denn die Idee musste erst reifen. 2009 war es wohl, als – nach Konsultation der Familie – dem damaligen Bezirksamtsleiter Wolfgang Kopitzsch erstmals die Idee für die Benennung vorgetragen wurde. Er war gleich eingenommen von dieser, kannte er doch den, um den es ging.

Als dann der Baubeginn zu nahen schien und 2010 bei den Vertretern der Bezirksfraktionen, beim Vorstand des Stadtteilvereins Jarrestadt-Leben und bei engagierten Menschen aus dem Stadtteil vorsichtig für dies Ansinnen des SPD-Distriktes geworben wurde, wurdeeszumeist offen aufgenommen. Denn hier im Stadtteil kannten den Namensgeber noch viele, waren einst seine Nachbarn gewesen. Und die, die ihn nicht gekannt hatten, waren beeindruckt, von seiner Lebensgeschichte, seinem Mut und seinem Einsatz für die Demokratie. Von Heinz Gärtner.

Heinz Gärtner war von hier.
Geboren am 1. März 1916 – ist er in Winterhude aufgewachsen.Während seiner Kindheit und Jugend wohnte er in der Peter-Marquard-Straße und besuchte die Volksschule Forsmannstraße. 1949 nach Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft und Heirat zog er mit seiner Frau Margot in eine kleine Wohnung in der Großheidestraße, später wohnte er mit ihr und den beiden Söhnen im Novalisweg;auch als Witwer bis zum Schluss. Er war, wie seine Frau im Elternrat der Schule Meerweinstraße engagiert und hat sich als Mitglied der Deputation der Schulbehörde für den Ausbau der Schule und den Bau der Aula eingesetzt.

Heinz Gärtner war Sozialdemokrat, 70 Jahre lang. Vier Jahrzehnte, bis zu seinem Tode 2001, gehörte er dem Vorstand der SPD-Jarrestadt an, dort lernte ich ihn kennen. Er hat viele Entwicklungen des Stadtteils politisch begleitet und vorangetrieben.

1932 warer Mitglied der SPD geworden, nachdem er schon 1930 als 14-jähriger der Sozialistischen Arbeiterjugend beigetreten war. Als 17-jähriger war er nach dem Verbot der SPD Teil der illegalen Arbeit im Distrikt Goldbek, hier in Winterhude und Barmbek.Er hielt Kontakte, man traf sich im Café Koch in der Weidestraße,er fertigte und verteilte illegale Schriften, und war Kurier nach Dänemark, Belgien undd ie Tschechoslowakei.

„Ein jugendlicher Demokrat von unbeugsamer Gesinnung“, nannte ihn Henning Voscherau in einem Nachruf. Einer, der selbstmörderisch mutig für die Sache der Demokratie, der Freiheit und Menschenwürde eingetreten ist.
Denn 1936 flog seine Gruppe auf. Der 20-jährige wurde von der Gestapo verhaftet, verhört, gedemütigt, immer wieder geschlagen und im KZ Fuhlsbüttel und der Jugendhaftanstalt Hahnöfersand für 1½ Jahre eingesperrt. Nach der Haftbetätigte er sich weiter.

Heinz Gärtner überlebte die nationalsozialistische Gewaltherrschaft. Er überlebte den Krieg, an dessen Ostfront ihn – den „Wehrunwürdigen“ -die Nazis noch 1943 geschickt hatten.
Die unzähligen Opfer aber, die für ihren Widerstand mit dem Leben bezahlen mussten, waren für ihn immerwährende Verpflichtung, unermüdlich für die Aufklärung über den NS-Terror einzutreten, um solches für die Zukunft zu verhindern.

Dabei hatte er, der die Ereignisse am Ende der Weimarer Republik aufmerksam verfolgte, sich schon 1931 in seiner Jahresarbeit „Faschismus und Sozialismus“ an der Schule Forsmannstraße mit dem Nationalsozialismus auseinandergesetzt und gewarnt. Der 15-jährige Schüler widerlegte mit dieser Arbeit, die Aussage vieler Zeitgenossen, man habe ja nicht wissen können, was Hitler machen würde.

Die Arbeit wurde 2001 von der Forschungsstelle für Zeitgeschichte veröffentlicht und ist immer noch lesenswert.
Was Heinz Gärtner,15-jährig, 1931schrieb – „daher ist es in der heutigen Zeit eine große Aufgabe, für die politische Aufklärung der Frauen, der Jugendlichen und darüber hinaus auch für die politische Aufklärung der Männer zu sorgen“ – wirkt wie ein Leitmotiv für seinlebenslanges Engagement. Sein Anliegen wurde die Bildung der Jugend als besten Schutz für unsere Demokratie vor Rechtsextremismus und Faschismus.

Nicht nur in der SPD und in der Schuldeputation setzte er sich für Bildung ein, er widmete sich auch der Aufklärung vor allem junger Menschen über die Verbrechen der Nazis.
Wer jemals eine seiner eindrucksvollen Führungen durch die Gedenkstätte Kolafu erlebt hat, dem Ort seines eigenen Leidens, wird dies nicht vergessen.

Heinz Gärtner hat ein unverlierbares Beispiel gegeben, was Zivilcourage heißt. Er war ein Vorbild. Dafür sind wir ihm sehr dankbar. Hier in Winterhude, wo er mit uns gelebt hat, wo sein Engagement gegen Rechtsextremismus und Faschismus und für die Demokratie begonnen hat, wollen wir ihn, 12 Jahre nach seinem Tod, ehren und an ihn erinnern, indem wir diese Brücke nach ihm benennen.

Wenn künftig der eine oder andere Jugendliche, der die Brücke auf dem Weg zum Bolzplatz überquert, neugierig wird und zu recherchieren beginnt, wer denn dieser Heinz Gärtner war, dessen Namen die Brücke trägt, um dann zu erfahren, das war einer, der sich mutig schon als junger Mensch für unsere Demokratie eingesetzt hat, ein Vorbild also, dann ist viel erreicht mit dieser Benennung.

Ich bin daher den Mitgliedern des Regionalausschuss Eppendorf-Winterhude und dem Senat sehr dankbar, dass die Heinz-Gärtner-Brücke heute Wirklichkeit geworden ist.

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