Hamburg 2020 – Herausforderung Stadtentwicklung

Stellplatzprobleme veröffentlicht in „Hamburg – Mut zur Vision“, hrsg. von Michael Neumann, Hamburg 2007

I. Durch Lebensqualität gewinnen

Der internationale Wettbewerb der Metropolen um die Ansiedlung und den Erhalt von Unternehmensstandorten, der demographische Wandel in Deutschland und die Zuwanderung in die Stadt stellen Hamburg vor immer neue Herausforderungen. Diese Herausforderungen stehen dabei in enger Beziehung mit konkreten Zielsetzungen, wie die Reduzierung der Umlandabwanderung, die Verlangsamung von Segregationsprozessen, also der zunehmenden räumlichen Trennung sozialer und ethnischer Milieus, und die Aufwertung benachteiligter Stadtquartiere. Einen wesentlichen Beitrag zur Bewältigung der Zukunftsaufgaben muss die Stadtentwicklungspolitik leisten. Eine kluge Stadtentwicklungspolitik wird dabei auf die Herausstellung und Förderung von Hamburgs Stärken setzen und nicht darauf, andere Metropolen zu kopieren.

Hamburg ist eine grüne Metropole am Wasser. Elbe, Alster, Bille und die vielen Kanäle prägen das Bild der innerstädtischen Stadtteile. Ein Netzwerk aus Parks und Grünflächen durchzieht auch die dichter besiedelten Wohnquartiere zwischen Innenstadt und Stadtrandquartieren. Kinder klettern Auf diesen das Stadtbild prägenden Elementen muss Hamburg bei der Fortentwicklung der Stadtteile aufbauen, um so die bereits hohe Lebensqualität vieler Wohnquartiere noch stärker herauszustellen.

Auf die Lebensqualität der Stadtteile kommt es an, wenn es gelingen soll, die Einwohnerzahl Hamburgs in den kommenden Jahren stabil zu halten oder gar weiter anwachsen zu lassen. Denn die wirtschaftliche Prosperität der Metropole allein führt nicht automatisch dazu, dass die Menschen auch ihren Wohnsitz in der Stadt nehmen. Die Lohnsteuerzerlegung, der Länderfinanzausgleich und vor allem das Ziel sozial stabiler Stadtteile machen eine positive Entwicklung der Einwohnerzahlen zu einem wichtigen Anliegen der Politik im Stadtstaat Hamburg.

Nachdem die Einwohnerzahl Mitte der 80er Jahre einen Tiefpunkt erreicht hatte, wächst sie seitdem wieder an. Nach dem Fall der Mauer wurden innerhalb weniger Jahre über 80.000 Menschen vorwiegend aus den Neuen Ländern in Hamburg aufgenommen. Um diese Aufgabe zu bewältigen, wurden in den 90er Jahren über 70.000 Wohnungen in Hamburg gebaut. Hamburg wächst weiter, aber nicht mehr in den Dimensionen der 90er Jahre. Die Fortentwicklung alter und die Entwicklung neuer Stadtteile kann deshalb sehr viel überlegter und unter Nutzung der Erfahrungen der Vergangenheit sowie neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse erfolgen.

II. Wohnungsbau nutzen

Der Senat hat seinen Planungen die mittlere Variante der Bevölkerungsvorausschätzung vom April 2004 zugrunde gelegt. Diese Prognose erwartet für Hamburg von 2004 bis 2020 einen Einwohnerzuwachs um fast 70.000 Personen auf dann 1,814 Mio. Einwohner. Der Einwohnergewinn soll vor allem durch Zuwanderung aus dem Bundesgebiet und aus dem Ausland sowie aus einem Rückgang des negativen Umlandwanderungssaldos zu Stande kommen. Tatsächlich ist die für die ersten Jahre, 2004 bis 2006, prognostizierte Entwicklung nicht in dem erwarteten Umfang eingetreten.

Mit der Bevölkerungszahl wächst auch die Zahl der Haushalte und damit der Bedarf an Wohnungen. Der Trend zu kleineren Haushalten verstärkt den Neubaubedarf ebenso wie der notwendige Ersatz abgängiger Wohnungen. Aus heutiger Sicht müssen bis zum Jahr 2020 rund 80.000 neue Wohnungen in Hamburg entstehen. Die Schwierigkeit dabei ist angesichts der Versäumnisse des Senats in den letzten Jahren, die Fertigstellungszahlen auf jährlich über 6.000 Wohnungen zu verdoppeln. Die Kunst aber wird darin bestehen, den Wohnungsneubau und die ihn flankierenden Maßnahmen zu nutzen, um einen an den Herausforderungen der Zukunft orientierten Stadtumbau einzuleiten.

Da der Neubaubedarf von 80.000 Wohneinheiten nur gut neun Prozent des heutigen Wohnungsbestands von ca. 876.000 Wohnungen ausmacht, kommt auch dem Umbau im Wohnungsbestand erhebliche Bedeutung für die Befriedigung neuer Ansprüche an den Wohnungsmarkt zu. Legt man zugrunde, dass zurzeit mit städtischer Förderung rund 6.000 Wohnungen jährlich modernisiert werden, werden im Jahr 2020 rund 20 Prozent des Wohnungsbestands neuen Anforderungen entsprechen können. Voraussetzung dafür ist, die neuen Anforderungen an den Wohnungsbau zu formulieren und diese zur Grundlage für eine Förderung mit öffentlichen Mitteln und die Bereitstellung städtischer Grundstücke zu machen. Neben Vorgaben zur Energieeffizienz müssen daher vor allem die veränderten Anforderungen der Zielgruppen städtischer Wohnungsbaupolitik definiert werden.

Aus stadtentwicklungspolitischer Perspektive muss der Wohnungsneubau der kommenden Jahre gemeinsam mit Umbauten im Wohnungsbestand und begleitenden Maßnahmen im Wohnumfeld dazu beitragen, Zielsetzungen wie Eindämmung der Stadtflucht, soziale Stabilisierung der Stadtteile sowie Aufnahme und Integration von Zuwanderern zu unterstützen. Die Erreichung dieser Ziele setzt voraus, die Ansprüche und Wünsche der Zielgruppen an Ausgestaltung und Ausstattung von Wohnraum aber auch hinsichtlich der Erwartungen an Lage und Umfeld zu kennen. Ohne eine enge Einbeziehung und Beteiligung der Bevölkerung wird dies nicht gelingen.

III. Auf die Stadtteile besinnen

Hamburgs Stärke liegt in der Vielfalt seiner Stadtteile. Will Hamburg den Anforderungen der Zukunft erfolgreich begegnen, muss es sich wieder auf diese Stärke besinnen. Angesichts der Konzentration auf städtebauliche Großprojekte und die Begeisterung für immer neue Prestigeobjekte sind die Stadtteile aber zunehmend aus dem Blickfeld der Regierungspolitik geraten. Die Öffentlichkeit nimmt wahr, dass sich der Senat vor allem auf die zumeist in der Innenstadt bzw. in der HafenCity entstehenden Leuchtturmprojekte konzentriert. Dabei schreckt der Senat auch nicht davor zurück, die Stadtteile um Attraktionen zu berauben, wie beim Winterhuder Planetarium versucht. Diese einseitig ausgerichtete Stadtentwicklungspolitik schadet besonders den ohnehin benachteiligten Stadtteilen. Für deren Probleme fehlt es an der nötigen Aufmerksamkeit sowie an den finanziellen Mitteln um Abhilfe zu leisten. Probleme wie soziale Spaltung, Segregation und Stadtflucht können aber nur durch Maßnahmen in den Stadtquartieren bewältigt werden.

In den Mittelpunkt der Stadtentwicklungspolitik muss deshalb wieder die Stadtteilentwicklung rücken. Durch zielgerichtete und individuell auf ein Quartier abgestimmte Handlungskonzepte müssen die Stadtteile fit für die Zukunft gemacht werden. Die Stadtteile müssen attraktiv sein, wenn Hamburg im Wettbewerb der Metropolen bestehen soll. Der Wohnungsneubau der kommenden Jahre sowie die ihn begleitenden Maßnahmen, müssen deshalb genutzt werden, um tatsächliche oder als solche wahrgenommenen Defizite in den Stadtteilen auszugleichen.

IV. Stadtflucht stoppen

Hamburg ist eine schöne Stadt. Der Grossteil der Hamburger Stadtteile ist attraktiv. Gleichwohl kehren Jahr für Jahr über 23.000 Hamburgerinnen und Hamburger der Stadt den Rücken, um ihren Wohnsitz in einem der Umland(land)kreise zu nehmen. Dies zeigt, dass vor allem die innerstädtischen Stadtquartiere einzelnen Bevölkerungsgruppen nicht mehr den Wohnwert bieten, den diese suchen. Im Wohnungsangebot wahrgenommene Defizite, ein als mangelhaft empfundenes Wohnumfeld und nicht als akzeptabel angesehene vielfältige Belastungen des städtischen Umfelds treiben einzelne Bevölkerungsgruppen aus diesen Stadtteilen, wie Studien belegen.

Aus der Innenstadtflucht ist eine Stadtflucht geworden, weil Hamburg innerhalb seiner Grenzen zu wenige bedarfsgerechte Angebote für diese Gruppe gemacht hat. Insbesondere junge Familien haben die Kernstadt in den vergangenen Jahrzehnten in großer Zahl verlassen. Diesen Schluss legt zumindest die Altersstruktur der Wegziehenden nahe, denn obwohl die Reduzierung der Umlandabwanderung erklärtes Ziel der Senatspolitik ist, gibt es trotz eines Beschlusses der Bürgerschaft bisher keine Untersuchungen über die konkrete Zusammensetzung der Hamburg verlassenden Haushalte.

Der Wegzug der Menschen ins Umland hat viele negative Folgen für Hamburg. Dazu gehören der Verlust an Steueraufkommen, die Verschlechterung der Sozialstruktur in den Stadtteilen, die Zunahme des Pendlerverkehrs, eng verbunden mit der verkehrlichen Belastung der in Hamburg Lebenden, und die zunehmende Zersiedelung der Landschaft.

Der jetzt zu beobachtende Trend zur Re-Urbanisierung und die bei vielen spätestens seit der Reduzierung der Pendlerpauschale einsetzende Erkenntnis, dass weite, teure Wege zum Arbeitsort die günstigeren Mieten oder geringeren Finanzierungsbedarfe erschwinglicher Eigenheimgrundstücke im Umland schnell wieder kompensieren, muss Hamburg zu einer Renaissance der innerstädtischen Wohnquartiere nutzen.

Dazu gehört es, die ohnehin als vorteilhaft empfundene Infrastruktur einer Großstadt um zielgruppengerechte Wohnungen und ein ansprechendes Wohnumfeld zu ergänzen und dabei neue kleinräumige Strukturen zu schaffen. Neben dem Wunsch in einer grünen Umgebung zu leben, sind es nämlich vor allem die Belastungen des städtischen Wohnumfelds durch Verkehrslärm, vernachlässigte Grünanlagen, Vandalismuserscheinungen und Kriminalität, die Menschen ins Umland treiben und weniger der Wunsch nach einem Eigenheim. Denn mehr als die Hälfte der Wegziehenden zieht in ein Mietobjekt.

Dies macht aber auch deutlich, dass trotz der räumlich begrenzten Möglichkeit, Familien in Hamburg ein Eigenheim im Grünen zu bieten, gute Chancen bestehen, diese in Hamburg zu halten, wenn in die Rahmenbedingungen investiert wird. Mit Hilfe neuer Wohnformen, die eigenheimähnliche Qualitäten bieten, muss versucht werden ein Wohnungsangebot zu schaffen, welches die Familien innerhalb der Stadtgrenzen hält. Dazu gehören bspw. gestapelte Reihenhäuser und die Schaffung von Mietergärten, aber auch neue Bauherrenformen, wie die Zusammenschlüsse Gleichgesinnter zu Baugemeinschaften, um gemeinsam individuelle Vorstellungen vom Wohnen in einer selbst gewählten Nachbarschaft realisieren zu können.

Neben der Bereitstellung ansprechenden Wohnraums wird der Herausstellung der vielen Vorteile des Großstadtlebens, wie kurze Weg und vielseitige soziale, kulturelle und Bildungsangebote eine wichtige Rolle zukommen. Es ist unverständlich, dass der sonst keine Marketingaktion auslassende Senat nicht längst eine entsprechende Initiative gestartet hat.

V. Stadträume gestalten

Soll die Großstadt wieder attraktiv für tatsächliche oder potentielle Stadtflüchtlinge werden, müssen aber auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und das räumliche Umfeld stimmen.

Zu den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen gehören ein gutes Angebot an Schulen und Kindertageseinrichtungen, an Jugendtreffs und an Begegnungsstätten, an Stadtteilkultureinrichtungen und Bücherhallen in einem sicheren und sauberen Umfeld. Diese Rahmenbedingungen können nur geschaffen werden, wenn Stadtentwicklungspolitik zum Anliegen aller Behörden wird. Gerade auf diesem Feld hat die konservative Stadtpolitik bislang aber versagt. Behördenhandeln wird nicht koordiniert. Mittel für örtliche Kulturangebote wurden eingefroren und Schulen werden dort geschlossen, wo neue Familienquartiere entstehen sollen.

Um das räumliche Umfeld eines Stadtteils zu gestalten, bedarf es ebenfalls vielfältiger Anstrengungen. In vielen Quartieren fehlt es an einer lebendigen Mitte, die Treffpunkt und Ort der Kommunikation für ein Viertel ist. Diese Mitte zu schaffen, fördert die Entstehung kleinräumiger Strukturen und lebendiger Nachbarschaften, die für viele die Lebensqualität eines Quartiers ausmachen.

Indem wieder kleine Ladenzeilen für die Versorgung mit Dingen des täglichen Bedarfs und handwerklichen Dienstleistungen entstehen, kann die Attraktivität eines Quartiers erheblich gesteigert werden. Um diese zu schaffen, wird die Stadt vielerorts in Vorlage gehen und zunächst städtische Institutionen wie Beratungsstellen, behördliche Kunden- und Dienstleistungszentren sowie kulturelle Einrichtungen ansiedeln müssen, um die Lebendigkeit und Betriebsamkeit zu erzeugen, die es für Kleingewerbetreibende, Einzelhändler und Handwerker rentabel macht, sich auch außerhalb der größeren Quartierzentren niederzulassen. Optimal wäre es, wenn private und städtische Grundeigentümer bereit wären, solche Prozesse über günstige Ladenmieten zu fördern, weil sie erkennen, dass eine lebendige Mitte eines Quartiers, auch dem Wert ihrer Immobilie zugute kommt.

Um diese für das urbane Leben in einem Stadtteil wichtigen Kommunikationsorte und Treffpunkte zu schaffen, müssen Bereiche mit einer hohen Aufenthaltsqualität entstehen. Dazu gehört es auch, öffentlichen Raum zurück zu gewinnen, der heute für parkende Kraftfahrzeuge genutzt wird. Dies kann gelingen, wenn Grundeigentümer und Stadt noch stärker in Quartiersgaragen investieren, um die Straßenräume von parkenden Kraftfahrzeugen zu entlasten.

VI. Wohnungen für Senioren als neue Herausforderung

Nicht nur Familien wünschen sich kleinräumige und überschaubare Strukturen, sondern vor allem auch ältere Menschen. Will Hamburg neben den Familien nicht noch stärker als bisher auch Senioren an den Speckgürtel oder an prosperierende Kleinstädte im Umland verlieren, muss auch für diese ständig wachsende Gruppe in diese Strukturen genauso wie in angemessene Wohnungen und ein akzeptables Wohnumfeld investiert werden.

Während die Wohnungsbedarfe von Familien inzwischen politisches Allgemeingut geworden sind und auf der Agenda der Wohnungsbaupolitik stehen, auch wenn es an der Realisierung noch mangelt, ist man von der Verwirklichung der spezifischen Anforderungen von Senioren an Wohnraum noch weit entfernt.

Erst langsam rückt die Erkenntnis ins politische Blickfeld, dass immer mehr ältere Menschen immer länger in den eigenen vier Wänden leben wollen und können, sofern die Ausstattung ihrer Wohnungen den besonderen Komfort- und Servicebedürfnissen gerecht wird. Neue Wohnungen mit einer entsprechenden Ausstattung in einem Umfeld, welches spezifische Dienstleistungen anbietet, damit Ältere möglichst lange selbstbestimmt wohnen können, müssen entstehen. Solche Wohnungsangebote eingebunden in ein bauliches und soziales Umfeld, das die nötige Flexibilität bietet, um zunehmende Unterstützungsbedürfnisse zu erfüllen, bieten das Potenzial, Ältere in Hamburg zu halten.

Aber auch diejenigen, die nach der Familienphase ihr Häuschen im Grünen aus verschiedenen Gründen, wie lange Fahrtzeiten zum Arbeitsplatz, fehlende kulturelle und Freizeitangebote im Umland oder wegen der besseren und umfassenderen medizinischen Versorgung in der Metropole, nicht mehr als adäquat oder gar als belastend empfinden, können durch solche Angebote wieder in die Stadt zurück finden.

VII. Starke Stadtteile mit den Menschen planen

Hamburg muss darauf setzen, neue Wohnformen in erster Linie in den bestehenden Stadtteilen zu etablieren und das Wohnumfeld in diesen qualitativ zu verbessern, sollen nicht die ohnehin bestehenden Tendenzen zur räumlichen Trennung sozialer und ethnischer Milieus zementiert werden. Eine weltoffene tolerante Metropole braucht die ständige Begegnung der verschiedenen Kulturen und das Miteinander von Jung und Alt, von Singles und Familien, Alteingesessenen und Migranten im täglichen Leben, wenn ein vorurteilsfreier und offener Umgang miteinander, die hier lebenden Menschen kennzeichnen soll. Stadtentwicklungs- und Wohnungsbaupolitik müssen daher das Miteinander in gemischten Stadtteilen ermöglichen und fördern und nicht die Segregation forcieren. Deshalb muss zuvorderst dort investiert werden, wo Entwicklungen Raum greifen oder bereits eingesetzt haben, die dieser Zielsetzung zuwiderlaufen.

Für die Investition in die bestehenden Stadtteile und die Etablierung neuer Wohnformen in diesen spricht, dass die nötige Infrastruktur dort zumeist vorhanden ist. Gelingt es nicht, die „alten“ Stadtteilen für Familien mit Kindern wieder attraktiv zu machen, müssen Schulen, Kindergärten und soziale Einrichtungen dort geschlossen und in neu entstehenden Stadteilen teuer errichtet werden. Eine Entwicklung wie man sie in den letzten Jahren bereits beobachten konnte und der entschieden entgegengewirkt werden muss.

Um zielgerichtete Maßnahmen ergreifen und Investitionen lenken zu können, müssen zuerst die Defizite erkannt werden, die dazu führen, dass Menschen ein Quartier verlassen, in welchem sie ohne diese Mängel wohnen bleiben würden. Diese Analyse und die nachfolgende Entwicklung stadtteilspezifischer Lösungen können nur gemeinsam mit der örtlichen Bevölkerung gelingen. Eine auf den Erhalt und die Schaffung lebenswerter Stadtteile ausgerichtete Politik muss deshalb die Bürgerinnen und Bürger in lokal angesiedelte Prozesse einbinden, um gemeinsam Strategien für die Aufwertung der Wohnquartiere zu gewinnen.

Eine moderne und zukunftsorientierte Stadtentwicklungspolitik, wie sie Hamburg verdient, sollte sich deshalb zum Ziel setzen in den nächsten Jahren für alle Stadtteile, beginnend mit den innerstädtischen, Stadtteilentwicklungspläne zu erarbeiten. Auf Basis dieser Stadtteilentwicklungspläne können die Quartiere dann fortentwickelt werden.

Die Bürgerinnen und Bürger eines Stadtteils sind die Experten für die künftigen Anforderungen an ein Quartier. Sie wissen am besten, welche Rahmenbedingungen erfüllt sein müssen, damit sie in einem Viertel wohnen bleiben oder welche Entwicklungen sie wegziehen lassen würden. Will man stabile Quartiere mit funktionierenden Nachbarschaften haben, muss erreicht werden, dass möglichst viele Menschen in einem Quartier wohnen bleiben wollen und dies auch können, weil sie dort auch bei sich im Lebenszyklus verändernden Situationen und Ansprüchen bedarfsgerechten Wohnraum und ein sie ansprechendes Umfeld vorfinden.

Raum und Forum für eine offene und dialogorientierte Quartiersentwicklung können örtliche Stadtteilwerkstätten bieten. Angeleitet von Moderatoren können dort die Bewohner, lokale Gewerbetreibende und die örtlich vertretende Wohnungswirtschaft mit Kommunalpolitikern und Verwaltungsvertretern zusammen kommen, um die Weiterentwicklung der Stadtteile zu diskutieren und zu planen.

Örtliche Stadtteilwerkstätten fügen sich in das Konzept einer Hamburger Stadtwerkstatt ein, die auf gesamtstädtischer Ebene die Möglichkeit schaffen soll, den Dialog zwischen Experten und Laien, Politik und Bevölkerung über die stadtentwicklungspolitischen Leitlinien der Stadt und der Metropolregion zu befördern. Die über die Medien ausgetragene Diskussion über Glas- vs. Backsteinbauten, die öffentliche Debatte, die den geplanten gläsernen Solitär auf dem historischen Domplatz zu Fall gebracht hat, und die Kritik hinsichtlich befürchteter Fehlentwicklungen bei der Realisierung der HafenCity zeigen, dass in Hamburg das Interesse an Städtebau und baulicher Gestaltung und der Wunsch an der Stadtentwicklung mitzuwirken groß ist. Eine Hamburger Stadtwerkstatt, die dem offenen Diskurs über Stadtentwicklung einen Ort gibt, und Platz für die frühzeitige Vorstellung von Planvorhaben von gesamtstädtischer Bedeutung bietet sowie Raum für Ausstellungen über Projekte schafft, kann diesem Bedürfnis Rechnung tragen.

Die in der zentralen Stadtwerkstatt entwickelten städtebaulichen Leitlinien können im Idealfall mit den Ergebnissen der örtlichen Diskussionen über die Quartiersentwicklung zu einem HamburgPlan 2020 zusammengefasst werden. Dieser ist dann kein von oben verordnetes Leitbild, sondern eine von der Bevölkerung entwickelte und breit getragene Zukunftsvision für Hamburg.

Neben privaten Investitionen der Wohnungswirtschaft und von Gewerbetreibenden bedarf es auch des Einsatzes öffentlicher Mittel, um die Veränderungen in den Stadtteilen zu finanzieren, um Straßen und Wege neu zu führen, um Grünanlagen und Spielplätze zu schaffen und zu pflegen, um Plätze anzulegen und sauber zu halten. Hamburg muss deshalb ein Stadtteilentwicklungsbudget auflegen, mit dem bis 2020 nach und nach in die Lebensqualität der 105 Stadtteile investiert wird.

Hierbei geht es in der Regel dann nicht darum, vereinzelt herausragende Einzelprojekte zu finanzieren oder örtliche Leuchttürme zu schaffen. Das Anliegen ist vielmehr auf der Basis der örtlich entwickelten Vorstellungen Stadträume mutig neu zu gestalten. Durch die Bündelung bestehender Haushaltstitel sollte daher Jahr für Jahr ein Programm „100 Millionen Euro für 100 Stadtteile“ aufgelegt werden, welches die schrittweise Realisierung der in den Stadtteilwerkstätten entwickelten Pläne ermöglicht.

VIII. Die Stadt wächst in der Stadt

Ein schonender Umgang mit der im Stadtstaat knappen Ressource Fläche und der Erhalt möglichst vieler Grün- und Erholungsflächen führt zu dem Ansatz, dass die Stadt vordringlich in der Stadt wachsen muss. Veränderungen im Bestand und eine behutsame Nachverdichtung müssen im Vordergrund stehen. Dies wendet sich nicht gegen sinnvolle Leitprojekte wie dem „Sprung über die Elbe“ oder die Entstehung neuer Stadtteile wie derzeit in der HafenCity und künftig auf dem Kleinen Grasbrook. Es setzt aber andere Akzente in der Realisierung.

In den innerstädtischen Stadtteilen kommt der Aktivierung von Flächen in Streulagen, den so genannten Baulücken, bei der Nachverdichtung eine besondere Bedeutung zu. Zuletzt gab es in den 90er Jahren ernsthafte Bemühungen der zuständigen Behörden mit einem Baulückenkataster das Potenzial an Baulücken mit dem Ziel einer späteren Nutzbarmachung zu erfassen. Heute umfassen die Baulücken rund 2.000 private Grundstücke mit einer Fläche von ca. 300 Hektar. Deren Eigentümer haben aus vielfältigen Gründen, wie fehlenden Investitionsmitteln, Erbstreitigkeiten oder spekulativen Motiven oft kein Interesse, diese zu bebauen. Gezielte Kaufangebote durch die Stadt, Bebauungsanreize und Förderprogramme sind deshalb notwendig, um diese Grundstücke für die Belange der Stadtentwicklung nutzbar zu machen.

Auch die Stadt selbst und die städtischen Gesellschaften verfügen auf zentral gelegenen Grundstücken über Bebauungsreserven, deren Nutzungspotential es zu überprüfen und gegebenenfalls zu erschließen gilt. Dazu gehören beispielsweise in den 50er Jahren errichtete Zeilenbauten, die durch Verbindungsbauten zu charakteristischen Wohnblöcken ergänzt werden könnten.

Weitere Potenziale für eine behutsame Nachverdichtung können in fast allen Stadtteilen über eine Veränderung der möglichen Bebauungshöhen erschlossen werden. Dabei geht es nicht um den Bau von Hochhäusern. Die innerstädtischen Wohnquartiere in Hamburg werden überwiegend durch eine vier- bis fünfgeschossige Bebauung geprägt. In bestimmten Bereichen bietet es sich an, die Geschossigkeit um mindestens eine Etage zu erhöhen. Besonders augenfällig ist dies dort, wo neben fünfgeschossigen Gründerzeitbauten mit hohen Deckenhöhen in den fünfziger Jahren Baulücken mit ebenfalls fünfgeschossigen Gebäuden mit deutlich niedrigeren Deckenhöhen geschlossen wurden. Die Erschließung dieser Nachverdichtungspotenziale durch Aufstockung oder im Rahmen von Ersatzbauten ist weder dem Stadtbild noch der Lebensqualität abträglich. Bei der Entwicklung neuer Bebauungspläne sollte deshalb eine behutsame Erhöhung der Traufhöhen angestrebt werden, ohne die Stadtkulisse gleich durch Hochhäuser zu beeinträchtigen.

IX. Konversionsflächen nutzen

Um die quantitativen und qualitativen Wohnungsbaubedarfe der kommenden Jahre zu befriedigen, werden Maßnahmen in den bestehenden Stadtteilen allein aber nicht ausreichen. Weitere Flächen müssen nutzbar gemacht werden. Dafür bieten sich vor allem die vielen Konversionsflächen an, will man vermeiden in Grün- und Erholungsflächen einzugreifen. Hamburg profitiert dabei vom wirtschaftlichen und politischen Wandel der vergangenen 20 Jahre. Ehemals von Bundeswehr, Bundespost und Bundesbahn genutzte Liegenschaften des Bundes aber auch städtische Flächen, die für weitläufige Krankenhäuser und Pflegeheime benötigt wurden, sowie u. a. durch den Wandel im Hafen entstehende Industriebrachen konnten bereits einer neuen Nutzung zugeführt werden oder stehen für Überplanungen zur Verfügung.

Die Konversionsflächen bieten den Vorteil, dass sie oftmals inmitten von lebendigen Stadtteilen liegen und damit das Potenzial im Großen bieten, welches Baulücken im Kleinen haben. Durch eine abgestimmte Bebauung können Defizite im Umfeld ausgeglichen werden und damit Stadtteile aufgewertet und stabilisiert werden.

Eine besondere Perspektive bieten dabei die Inseln des Kleinen Grasbrooks, auf denen nach Verlagerung der Hafenbetriebe und nach Klärung der räumlichen Bedarfe für eine denkbare erneute Olympiabewerbung Hamburgs ein neuer Stadtteil entstehen kann. Die zentrale Lage der Inseln kann genutzt werden, um dort ein modernes Wohnquartier entstehen zu lassen, welches im großen Maßstab auch günstige Wohnungen umfasst und so die derzeit zu beobachtende und korrekturbedürftige Fehlentwicklung in der HafenCity vermeidet.

X. Mit städtischen Flächen steuern

Den städtischen Grundstücken kommt bei der Stadtteilentwicklung eine wichtige Rolle zu. Sie können zielgerichtet dazu eingesetzt werden, Impulse für die gewünschte Weiterentwicklung von Stadtquartieren zu geben, indem sich die Auswahl eines Investors daran orientiert, welcher bei der Bebauung der Fläche das für das umliegende Quartier beste Konzept realisieren will. Dies setzt nicht nur die Formulierung quartiersbezogener Vorgaben voraus, was im Rahmen der bereits erwähnten Stadtteilwerkstätten geschehen kann, sondern erfordert zunächst eine Umkehr von der derzeitigen, seit 2002 bestehenden Verkaufspolitik des Senats, der die städtischen Liegenschaften nur gegen Höchstgebot an Investoren vergibt.

Dieses Verfahren hat bereits dazu geführt, dass Wohnungsbaugenossenschaften, die Garanten für ein preisgünstiges und vielseitiges Wohnungsangebot sind und nicht gewinnorientiert wirtschaften, sondern in ihrer Bau- und Belegungspolitik auch das soziale Gefüge einer Wohnanlage im Blick haben, in den vergangenen Jahren nicht mehr auf städtischem Grund gebaut haben. Investoren, die Bauland zum Höchstgebot erworben haben, sind dagegen gezwungen, ihren hohen Einsatz durch eine Vielzahl von eher kleineren Wohnungen und eine hohe Bebauungsdichte zu erwirtschaften.

Durch das Höchstpreisverfahren hat sich die Stadt kurzsichtig wichtiger Steuerungsinstrumente begeben. Eine zukunftsorientierte Stadtteilentwicklung braucht aber eine mutige Steuerung, die über kurzfristige fiskalische Bedarfe hinaus, langfristige Perspektiven eröffnet.

XI. Förderquartiere entwickeln

In Hamburg gibt es Stadtteile, für die große Anstrengungen nötig sind, für die mehr geschehen muss als in moderne Wohnungen und ein ansprechendes Wohnumfeld zu investieren. Stadtteile, die von der positiven wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt und Opfer der Politik der sozialen Spaltung des gegenwärtigen Senats sind. Diesen Stadtteilen hat die Konzentration der Senatspolitik auf Großprojekte und Prestigebauten und die damit einhergehende fehlende Aufmerksamkeit, besonders geschadet. Der Senat selbst spricht von 13 Stadtteilen mit „besonderem Förderbedarf“, tatsächlich sind es mehr. Gemeint sind Stadtteile und Quartiere, in denen überdurchschnittlich viele von Arbeitslosigkeit, Armut und anderen Problemen betroffene Menschen leben, denen es an Lebensperspektiven fehlt.

Für diese Stadtteile hat der Senat kein zeitgemäßes Konzept. Er verlässt sich bei der Entwicklung dieser benachteiligten Quartiere vor allem auf das Programm „Aktive Stadtteilentwicklung“, welches an die Soziale Stadtteilentwicklung sozialdemokratischer Senate seit Ende der 80er Jahre anknüpft. Doch die Werkzeuge der Vergangenheit alleine reichen nicht mehr aus, um in diesen Stadtteilen eine positive Entwicklung zu erreichen. Die Konzentration von Arbeitslosigkeit, Armut und vielfältigen Problemlagen führt zu Verstärkungsprozessen, weil sich die Situation der Menschen durch ein schwieriges Umfeld und ein schlechtes Image weiter verschlimmert. Wer im falschen Stadtteil wohnt, hat weniger Chancen. Wer kann, kehrt deshalb diesen Quartieren den Rücken, was die soziale Situation weiter verschärft. Um diese Quartiere zu stabilisieren und die Entwicklung positiv zu wenden, muss daher sowohl den Bewohnern eine Perspektive geboten werden als auch in die Attraktivität dieser Stadtviertel investiert werden.

Dabei reicht es aber nicht aus, sich auf einzelne isolierte Projekte zu beschränken und quasi die Leuchtturmpolitik der Hochglanzseiten unserer Stadt auf Problemquartiere zu übertragen, wie es der Senat plant. Notwendig ist vielmehr ein ganzheitlicher Ansatz der Förderung. Die Rahmenbedingungen in einem Quartier müssen insgesamt stimmen. In diesen Förderquartieren muss es ein gutes Angebot an sozialen Einrichtungen und Nahversorgung in einem lebenswerten Umfeld mit attraktiven Wohnungen und ansehnlichen Grün- und Spielanlagen geben. Die Chancen der Bewohnerinnen und Bewohner müssen mit einem überdurchschnittlichen Angebot der örtlichen Schulen, Kindertageseinrichtungen und an arbeitsmarktpolitischen Fördermöglichkeiten systematisch verbessert werden. Maßnahmen zur Verbesserung der Lebenschancen müssen durch Investitionen in den öffentlichen Raum, in Spielplätze Grün- und Freizeitanlagen flankiert werden. Der Einsatz von Mitteln der Arbeitsmarktpolitik, mit denen Langzeitarbeitslose im Rahmen von Arbeitsgelegenheiten, Gemeinwohl orientierter Bürgerarbeit oder Kombilöhnen gefördert werden, muss – wo sinnvoll – mit der sozialen Stadtentwicklung verzahnt werden. Bei der Auswahl von Dienstleistern am Arbeitsmarkt ist auf ihre Vernetzung mit den Akteuren in den Förderquartieren zu achten. Von Dienstleistern initiierte Fördermaßnahmen müssen möglichst einen konkreten Bezug zu den Investitionen in die Förderquartiere und zum sozialen und kulturellen Bereich des Stadtteils aufweisen. Abgerundet werden muss das Engagement für mehr und bessere Lebenschancen der Bewohner durch Imagekampagnen für diese Quartiere.

Ein umfassendes und erfolgreich eingesetztes Maßnahmebündel trägt dazu bei, dass diese Gebiete auch für neue Bewohner attraktiv werden. Gerade die Heterogenität von Quartieren wirkt letztlich auf viele junge Menschen und zunehmend auch auf Familien als Magnet. Hat sich erst einmal ein Imagewechsel vollzogen, werden kreative und gut ausgebildete Menschen angezogen, die zu einer weiteren Stabilisierung beitragen.

Entscheidend ist, dass dem überdurchschnittlichen Einsatz staatlicher und privater Mittel ein koordiniertes Handeln von Behörden und Privaten zugrunde liegt, damit anders als in der jüngeren Vergangenheit nicht die Stadtteile von städtischen Sparmaßnahmen, wie Schließungen von Schulen und öffentlichen Einrichtungen betroffen sind, in die besonders investiert werden müsste.

Zu einem umfassenden Maßnahmebündel gehören folgende Punkte:

Bildung und öffentliche Infrastruktur in Förderquartieren verbessern
Zentraler Punkt der Quartiersförderung ist die Verbesserung der Bildungschancen. Deshalb muss vergleichsweise mehr in die Bildungsangebote und die öffentliche Infrastruktur der Fördergebiete investiert werden als in Stadtteile ohne vergleichbare Probleme. Konkret heißt dies, in Förderquartieren müssen Schulklassen und Gruppen in Kindertageseinrichtungen kleiner als im Durchschnitt sein. Dies gilt insbesondere für Grundschulen. Ganztagsschulen sollten zunächst in Förderquartieren gegründet werden. Das Angebot an städtischen Beratungsstellen, Bücherhallen, Volkshochschulen, Jugend- und Kultureinrichtungen muss gerade in den Förderquartieren erhalten und bei Bedarf ausgebaut werden.

Arbeit durch günstige Flächen schaffen
Im Vordergrund der Bemühungen muss stehen, Arbeit für die Bewohner des Quartiers zu schaffen. Die Stadt kann dazu beitragen, indem sie Flächen für Gewerbebetriebe besonders günstig bereitstellt, die sich verpflichten, Langzeitarbeitslose aus dem Quartier zu beschäftigen.

Den öffentlichen Raum attraktiv gestalten
Die Förderquartiere müssen in ihrem Erscheinungsbild durch verstärkte Investitionen in
den öffentlichen Raum aufgewertet werden. Die dazu durchgeführten Maßnahmen müssen für die Schaffung von Arbeitsplätzen für die Quartiersbewohner genutzt werden.

Die Beteiligung der Bewohnerinnen und Bewohner ermöglichen
Wie in allen Stadtteilen muss die Beteiligung der Stadtteilbewohner an der Gestaltung ihrer Viertel auch in den Förderquartieren gestärkt werden. Die besondere Situation der Menschen und die längerfristige Anlage der Quartiersentwicklung bedürfen aber einer besonderen hauptamtlichen Unterstützung durch Fördermanager und einer in Beiräte institutionalisierten Form. Um das ehrenamtliche Engagement zu befördern, sollten zusätzliche Anreize durch selbst verwaltete Mittel (Förderfonds) und die Möglichkeit sich für ihre ehrenamtlichen Aufgaben – und damit auch für berufliche Perspektiven – durch gezielte Fortbildung weiterzuqualifizieren, gegeben werden.

Eine deutlich verbesserte Koordination des Behördenhandelns sicherstellen
Die Maßnahmen der Behörden in den Förderquartieren müssen professionell koordiniert werden. Aufgabe des Fördermanager wird es daher auch sein, Förderprogramme zu koordinieren und Investitionen Dritter, wie bspw. der Wohnungswirtschaft, anzuregen.

Einen Zukunftspakt für lebenswerte Quartiere schließen
Auch die Wirtschaft trägt Verantwortung für lebenswerte Quartiere. Ihr Engagement muss eingefordert, unterstützt und mit den städtischen Ressourcen gebündelt werden. Die hohe Langzeitarbeitslosigkeit und die Perspektivlosigkeit der oftmals nicht ausgebildeten jungen Menschen ist ein herausragendes Kennzeichen benachteiligter Quartiere. Es liegt nahe, an dieser Stelle kleinräumige Wirtschaftsförderung mit den Mitteln der aktivierenden Arbeitsmarktpolitik zu verbinden. Die Stadt muss deshalb mit den Kammern und den Verbänden für jedes Förderquartier einen Zukunftspakt schließen, über die die verschiedenen Fördermöglichkeiten der Wirtschaft und der Stadt, die einzubringenden Ressourcen und die Realisierungsschritte im Zeitablauf vereinbart werden. Aufgabe der Wirtschaft ist dabei u. a. in den Förderquartieren die Nahversorgung mit Dingen des täglichen Bedarfs und Bankdienstleistungen sicherzustellen. Dieses Ziel muss notfalls durch günstige Mieten für Einzelhändler (auch durch städtische Vermieter) unterstützt werden.

Die lokale Wirtschaft ist aber auch potenzieller Arbeitgeber für Quartiersbewohner. Es muss deshalb darauf hingewirkt werden, dass die Arbeitsagentur Stellenbörsen in den Förderquartieren einrichtet, in denen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zueinander finden können. Die Anwendung von Kombilohnmodellen für dauerhafte wie für unständige Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen muss dabei vorrangig der im Quartier verankerten Wirtschaft zugute kommen. Gemeinwohlorientierte Bürgerarbeit muss in einem starken Bezug zu den Bedarfen eines Förderquartiers gefördert werden. So kann mit diesen Mitteln der soziale und kulturelle Bereich des Stadtteils gestärkt werden.

Mit Ausbildungshilfen können der lokalen Wirtschaft Anreize gegeben werden, Schulabgänger aus dem eigenen Stadtteil, die sonst für eine „überbrückende“ Maßnahme vorgesehen wären, einen Ausbildungsplatz zur Verfügung zu stellen. Solche Hilfen sollten auch auf Formen der „unterstützten Beschäftigung“ im engen Verbund mit dem berufsbildenden System zurückgreifen, um die Beschäftigungsfähigkeit der jungen Menschen gleichzeitig nachhaltig zu stützen.

Neues Wohnen für mehr Vielfalt ermöglichen
In den Förderquartieren muss es ein vielfältiges Wohnungsangebot geben, um diese für
verschiedene Bevölkerungsgruppen als Wohnstandorte interessant zu machen. Im Rahmen der Sanierung und Modernisierung des Wohnungsbestands ist dessen Attraktivität durch fortschrittliche Wohnungszuschnitte und eine seniorengerechte Ausstattung zu steigern, um so neue Bewohner in einen Stadtteil zu ziehen. Neue Wohnformen müssen in den Förderquartieren etabliert werden, indem die Stadt dort Flächen vor allem auch an Baugemeinschaften vergibt und die Eigentumsbildung durch besondere Förderung unterstützt.

XII. Fazit

Der Schlüssel für Hamburgs Zukunftsfähigkeit liegt in den Stadtteilen. Dort entscheidet sich, ob Hamburg auch 2020 noch ein attraktiver Standort für Industrie und Gewerbe ist. Denn die Stadtteile sind die Orte, an denen die Menschen die gewünschten Wohnungen und das lebenswerte Wohnumfeld, finden können müssen. Sonst suchen sie dies notfalls in anderen Metropolen.

Die Stadtteile zu stärken und sie lebenswert zu erhalten, und in einzelnen Fällen wieder lebenswert zu gestalten, ist die vordringliche stadtentwicklungspolitische Aufgabe. Diese Aufgabe kann angesichts der Veränderungen der Stadtgesellschaft, die nicht nur auf der demografischen Entwicklung basiert, nur bewältigt werden, wenn die Menschen der Stadt gewonnen werden, sich einzubringen und ihre Stadt mitzugestalten. Die Politik aber muss den Mut haben, die Bürgerinnen und Bürger konkret mitgestalten zu lassen. Allein dies erfordert schon ein Umdenken in vielen Köpfen.

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