Menschen mit Behinderung bei der Planung öffentlicher Freiräume besser berücksichtigen!

Hamburg, 09.05.2012

Menschen mit Behinderung werden heute besser bei der Planung von Freiräumen berücksichtigt, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Jedoch konzentrierte sich die Planung vornehmlich auf eine barrierearme Gestaltung für Menschen mit Gehbehinderungen, Fußgänger mit Kinderwagen und andere Personen mit Mobilitätserschwernissen. So können Rollstuhlfahrer heute die unterschiedlichen Höhenniveaus in der HafenCity über zahlreiche Rampen gut überwinden. Sehbehinderte Menschen sind jedoch weiterhin mit Problemen konfrontiert.
Menschen mit Behinderung bemängelten in der Vergangenheit mehrfach, dass bei der Planung öffentlicher Freiräume die Funktionalität weniger wichtig war, als ästhetische Gesichtspunkte. Große, kontrastarme helle Flächen wie am Jungfernstieg oder in der HafenCity sprechen zwar viele Menschen optisch an, sehbehinderte Menschen können sich hier jedoch nur schwer orientieren, da Stufen schlecht erkennbar sind oder Radwege optisch nicht vom Fußweg getrennt sind. Die Landesarbeitsgemeinschaft für behinderte Menschen kritisierte zuletzt, dass insbesondere für Menschen mit Sehbehinderungen ernste Gefahren bestehen, etwa durch Treppen ohne oder allenfalls mit unterbrochenen Handläufen, Stufen ohne Kontraste sowie tiefe „Sitzstufen“ auf Treppenanlagen sowie generell eine sehr kontrastarme Gestaltung von Treppen, Stadtmöbeln, Pollern und Bodengestaltungen.
Bei der Planung von Freiräumen dürfen ästhetische Gesichtspunkte eine sichere und gefahrlose Nutzung dieser Flächen nicht einschränken. Zweifelsohne sollen die öffentlichen Flächen in unserer Stadt schön und ansprechend sein. Sie müssen jedoch gut zugänglich sein – und zwar für alle Menschen in unserer Stadt! Es reicht daher nicht, Freiräume über Rampen für alle erreichbar zu gestalten. Sichere und unsichere Bereiche müssen als solche erkannt werden können, Fußgängerbereiche von Radwegen und Straßen optisch gut getrennt sein. Ebenso müssen Treppenstufen und Hindernisse wie Poller oder Fahrradbügel gut erkennbar sein.

Vor diesem Hintergrund möge die Bürgerschaft beschließen:
Der Senat wird ersucht,
1. die öffentlichen Freiraumbereiche in der westlichen HafenCity sowie am Jungfernstieg dahingehend zu überprüfen, inwiefern Nachbesserungen, wie der nachträgliche Einbau von Handläufen an Treppen oder eine bessere optische Erkennbarkeit von Gefahrenstellen möglich sind,
2. bei der Auslobung von Wettbewerben zur Freiraumplanung bzw. der Vergabe von Planungsleistungen auch die Belange von Menschen mit Sehbehinderungen zu berücksichtigen,
3. auch vor der endgültigen Fertigstellung großer städtebaulicher Projekte darauf zu achten, dass Menschen mit Behinderung gefahrlos und barrierefrei ihre Wohnungen oder andere Ziele erreichen können.

Ihnen gefällt diese Seite? Hier können Sie diesen Inhalt weiterempfehlen: