Pendler auf die Schiene bringen – S-Bahn nach Kaltenkirchen

zur Drs. 19/7112
Mehr als 300.000 Menschen pendeln regelmäßig nach Hamburg ein. Umgekehrt fahren knapp 100.000 Hamburgerinnen und Hamburger regelmäßig zu ihrer Arbeitsstätte aus Hamburg heraus. Dem Achsenkonzept der schleswig-holsteinischen Landesregierung zufolge werden alleine auf den drei Achsen von Itzehoe, Bad Oldesloe und Kaltenkirchen nach Hamburg täglich ca. 300.000 Personenfahrten gezählt, wovon der größte Teil mit dem Auto fährt. Ein besonders geringer Anteil hat der Schienenverkehr auf der Relation von Kaltenkirchen nach Hamburg: 100.000 täglichen Personenfahrten auf der Straße stehen gerade einmal 9.000 Personenfahrten auf der Schiene gegenüber. Hier schlummert ein riesiges Potenzial an möglichen Umsteigern vom Auto auf die Schiene, wodurch insbesondere die A 7, aber auch zahlreiche innerstädtische Straßen erheblich entlastet und ein spürbarer Beitrag für den Klimaschutz geleistet werden könnte.
Notwendig hierfür wäre jedoch eine erhebliche Attraktivitätssteigerung insbesondere auf der heutige AKN-Strecke von Kaltenkirchen nach Eidelstedt und die Schaffung einer umsteigefreien Verbindung auf dieser Strecke bis in die Hamburger Innenstadt. Lediglich die AKN in ihrer bisherigen Form auf den S-Bahngleisen in den Hamburger Hauptbahnhof durchfahren zu lassen wurde jahrelang insbesondere von den Umlandgemeinden gefordert und über mehrere Jahre auch in der Hauptverkehrszeit betrieben. Dabei hat sich jedoch gezeigt, dass es immer wieder zu betrieblichen Friktionen kommt, wenn die langsame AKN auf den Schienen der S-Bahn fährt.
Die AKN auf eigenem Gleis zum geplanten neuen Bahnhof Altona-Nord am Diebsteich fahren zu lassen, würde keine überzeugende Lösung darstellen, weil es insbesondere im Bereich des neuen Bahnhofs Altona-Nord voraussichtlich zu Kreuzungsproblemen mit S- und Fernbahn kommen würde. Zudem wäre dies nur eine halbherzige Lösung, die nichts Entscheidendes an der derzeitigen mangelnden Attraktivität der AKN bei Komfort, Erscheinungsform und Fahrzeit ändern würde.
Deshalb gibt es sowohl bei der AKN als auch bei der S-Bahn und dem Land Schleswig-Holstein konkrete Überlegungen, die Strecke von Eidelstedt nach Kaltenkirchen zu elektrifizieren, mithin auf S-Bahn-Standard auszubauen und zukünftig als eine in Eidelstedt abzweigende Verlängerung der S 21 als S-Bahn oder als S-Bahn ähnliche Verbindung zu betreiben. Beide Unternehmen werden in den kommenden Jahren einen Teil ihrer Fahrzeuge ersetzen müssen, was ggf. für die AKN die Chance böte, S-bahnfähige Fahrzeuge zu beschaffen. Das Land Schleswig-Holstein schließlich hat die Elektrifizierung der Strecke Eidelstedt – Kaltenkirchen bereits beim Bund für das GVFG-Bundesprogramm angemeldet.

Die Bürgerschaft möge beschließen:
Der Senat wird ersucht:
1. Umgehend in konkreten Gesprächen mit der schleswig-holsteinischen Landesregierung, den betroffenen Umlandgemeinden, der AKN und der S-Bahn Hamburg GmbH die Möglichkeiten einer S-Bahn-Verbindung von Kaltenkirchen über Eidelstedt, den neuen Bahnhof Altona-Nord und weiter Richtung Hauptbahnhof auszuloten. Dabei ist insbesondere die Finanzierung eines Ausbaus der heutigen AKN-Strecke von Eidelstedt nach Kaltenkirchen auf S-Bahn-Niveau (Elektrifizierung, Umbau der Haltestellen etc.) zu klären.
2. Die Möglichkeit einer Verlängerung der S 21 über Eidelstedt hinaus Richtung Kaltenkirchen bei den derzeitigen Gesprächen mit der S-Bahn Hamburg GmbH über eine Verlängerung des 2017 auslaufenden Verkehrsvertrages zu berücksichtigen. Dabei muss sichergestellt werden, dass es zu keinen unzumutbaren Angebotsverschlechterungen für heutige Nutzerinnen und Nutzer der Haltestelle Elbgaustraße kommt.
3. Der Bürgerschaft bis zum 31.03.2011 zu berichten.

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