Stadtteil

“Ich habe ursprünglich im Wahlkreis Eppendorf-Winterhude für die Bürgerschaft kandidiert. Dieser Wahlkreis ist seit 1985 meine politische Heimat. Daher möchte ich Ihnen die beiden Stadtteile des Wahlkreises an dieser Stelle kurz vorstellen. Mit einem eigenem Kapitel will ich die Jarrestadt besonders hervorheben. Formal kein Stadtteil, sondern Ortsteil von Winterhude, ist sie doch ein geschlossenes Quartier mit einem eigenem Stadtteilleben. Zudem war die Jarrestadt fast dreißig Jahre auch mein Wohnort.”
Jan Quast

Eppendorf
Der heutige Stadtteil Eppendorf war ursprünglich ein Dorf – das älteste Dorf Hamburgs sogar. 1140 wurde Eppendorf zum ersten Mal als eppenthorp urkundlich erwähnt. Im 14. Jahrhundert wurde das Dorf an das Kloster „Herwardeshude“ verkauft, seit der Reformation gehörte es zum Johanniskloster. Der dänische König verzichtete 1768 auf die Kirche und das dazugehörige Gebiet.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Eppendorf zu einem beliebten Vorort Hamburgs, in dem sich viele wohlhabende Hamburger Bürger auf Landsitzen niederließen. 1894 wurde Eppendorf schließlich eingemeindet. Die einstige Weide- und Moorlandschaft wurde aufgeschüttet und bebaut und ist heute eine der beliebtesten (und teuersten) Wohngegenden Hamburgs. Im 19. Jahrhundert wurde ebenfalls mit dem Bau eines modernen Krankenhauses am Rande Eppendorfs begonnen, dem heutigen Universitätsklinikum Eppendorf (UKE).
Das heutige Eppendorf zeichnet sich besonders durch seine gut erhaltenen wilhelminischen Altbauten mit ihren hohen Decken und reich verzierten Fassaden sowie seine idyllischen Kanäle aus. Neben diesem herrschaftlichen Eppendorf gibt es jedoch auch noch das normale Eppendorf. Einige Straßen sind geprägt durch Rotklinkerbauten der zwanziger und dreißiger Jahre mit kleineren Wohnungen.
In Eppendorf vereinen sich luxuriöses Wohnambiente und urbanes Flair, das sich besonders in den vielen kleinen Läden und Cafés genießen lässt. Heute leben in Eppendorf 23.000 Menschen (Stand 31.12.2007). In Eppendorf gibt es 14 Kindergärten, drei Grundschulen und zwei weiterführende Schulen.
Der wichtigste Arbeitgeber in Eppendorf ist mit Abstand das UKE mit 6.000 Beschäftigten. Erholung findet der Eppendorfer etwa im Hayns Park oder auch an der nahe gelegenen Alster, die besonders im Sommer zu Bootstouren einlädt. Weitere Freizeitmöglichkeiten bieten sich zum Beispiel im Holthusenbad am U-Bahnhof Kellinghusenstraße oder auch im beliebten „Lustspielhaus“.

Winterhude
Das Dorf Winterhude, welches 1250 erstmals urkundlich erwähnt wurde, fiel im 14. Jahrhundert an das Nonnenkloster Harvestehude und kam nach der Reformation in den Besitz Hamburgs. Winterhude, das vorerst ein kleines Bauerndorf blieb, wurde erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts erschlossen, die Aufhebung der Hamburger Torsperre 1861 leitete den Aufschwung ein. 1874 zum Vorort erklärt, wurde Winterhude im gleichen Jahr wie Eppendorf, 1894, nach Hamburg eingemeindet.
Erste Industriebauten wurden in Winterhude ab 1875 an den dazu gegrabenen Alsterkanälen (Osterbekkanal, Goldbekkanal) errichtet, hierunter etwa die Reismühlenfabrik „Nagel & Kaemp“ an der Jarrestraße, welche später Hafenkräne herstellte und in deren ehemaligen Produktionshallen sich seit Mitte der 1980er Jahre die Kulturfabrik „Kampnagel“ und das Programmkino „Alabama“ befinden. Nachdem sich die Industriebetriebe immer mehr aus Winterhude zurückzogen, wurde der Stadtteil zu einer beliebten Wohngegend. In der City Nord wurden seit Ende der 1960er Jahre zudem damals moderne Bürobauten erreichtet. Hier sind heute etwa 30.000 Menschen in rund 300 Unternehmen beschäftigt. Seit einiger Zeit bemühen sich einige Eigentümer die schon totgesagte Bürostadt den heutigen Standards entsprechend weiterzuentwickeln.
Wie in Eppendorf, das die Alster von Winterhude abgrenzt, liegen auch hier die teuersten Wohnungen am Wasser. Doch auch in Winterhude finden sich nicht nur teure Villen, in der vom berühmten Oberbaudirektor Fritz Schumacher geplanten Jarrestadt etwa entstanden Ende der zwanziger Jahren auch Wohnungen für mittlere Einkommensklassen, ebenso im älteren Mühlenkamp-Quartier und rund um den Winterhuder Marktplatz.
In Winterhude wohnen heute ca. 49.000 Menschen (Stand 31.12.07). Neben 14 Kindergärten finden sich im Stadtteil noch sechs Grundschulen und drei weiterführende Schulen, darunter das bekannte Johanneum. Auch das Polizeipräsidium am Bruno-Georges-Platz liegt in Winterhude. An Freizeitmöglichkeiten hat Winterhude einiges zu bieten. Neben der Kulturfabrik Kampnagel, der Komödie Winterhuder Fährhaus, den Kinos „Magazin“ und „Alabama“ und einem großzügigen Angebot an Gastronomie bietet der Stadtteil ein hervorragendes Angebot an Freiluftaktivitäten. Der Hamburger Stadtpark, welcher sich über eine Fläche von 150ha erstreckt, bietet vielfältige Gelegenheiten zum Sport treiben, Grillen, Schwimmen im Stadtparksee, als Ausgangpunkt für Bootsausflüge oder einfach nur zum Entspannen und Spazierengehen. Im Stadtpark befindet sich außerdem der von 1912 bis 1915 von Fritz Schumacher erbaute 78 Meter hohe ehemalige Wasserturm, der seit den 20er Jahren das Planetarium beherbergt, das neben Sternenvorträgen auch modernste Multimedia Shows anbietet.

jarrestadt

Die Jarrestadt
Die nach dem ersten Weltkrieg herrschende Wohnungsnot in Hamburg sollte in den zwanziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts durch große Wohnviertel, vorzugsweise im Geschossbau, gemindert werden.
Unter der Leitung des Hamburger Oberbaudirektors Fritz Schumacher wurde 1926 ein Architektenwettbewerb für das sich im Staatsbesitz befindliche Gebiet zwischen Wiesendamm, Jarrestraße und Goldbekkanal (rd. Zwei Drittel der heutigen Jarrestadt) ausgeschrieben, der auf außergewöhnlich große Resonanz stieß. Aus über 200 eingereichten Vorschlägen wurden rund 20 Architekten ausgewählt, die unter Beachtung bestimmter Auflagen wie Klinkerverblendung, offene Wohnblöcke, Wohnungsgröße und Lichteinstrahlung, die Wohnhäuser der heutigen Jarrestadt errichteten. Dieser neue Stadtteil war speziell für mittlere Einkommensklassen gedacht. Für damalige Zeit untypisch ist die hohe Anzahl von Bäumen, Vorgärten und Grünanlagen, die die Verbindung zum nahen Stadtpark herstellen, und noch heute den besonderen Reiz der Jarrestadt ausmachen. Obwohl die “Stadt in der Stadt” von einer großen Anzahl von Architekten geplant und konstruiert wurde, ist Dank Schumacher ein einheitliches Stadtbild entstanden.

Stadtteilfest Jarrestadt

Jan Quast auf dem Stadtteilfest in der Jarrestadt.

Seit Ende der 1990er Jahre ist die Jarrestadt zu einem immer begehrteren Wohnort geworden mit einer entsprechenden Veränderung der Bewohnerstruktur. Neubauten entstehen seitdem überwiegend als Eigentumswohnungen. Einzelne Wohnblöcke sind zu Eigentumswohnungen umgewandelt worden. Auch die der Bereitstellung günstiger Mietwohnungen verpflichtete städtische Wohnungsgesellschaft GWG hat durch den CDU-geführten Senat betrieben, dabei eine unrühmliche Rolle gespielt, die viele Mieter verunsichert hat.
Heute leben ca. 9.000 Menschen in der Jarrestadt. Im Stadtteil gibt es neben fünf Kindergärten, eine Gesamtschule mit Grundschule, die Kultureinrichtung Kampnagelfabrik und ein neu entstandenes Medienzentrum. Eine Grünanlage am Osterbekkanal („Jarreplatz“) zum Erholen von Jung und Alt wird in naher Zukunft neu gestaltet.
jq_backgroudjq_background_stadtpark.jpgDie Jarrestadt hat ein buntes Vereinsleben mit drei Wassersportvereinen (Alsterruderverein Hanseat, VfW Hanseat, Ruderclub Dresdenia) am Osterbekkanal, dem Sportverein VfL ´93 sowie dem Stadtteilverein Jarrestadt-Leben e.V., der Träger des Jugendtreffs Jarrestadt am Kaemmererufer 26 ist, und ein kleines Bürgerhaus am Wiesendamm 123 betreibt. Dort hat auch das Jarrestadt-Archiv seinen Sitz, welches sich engagiert zum Gedächnis des Stadtteils entwickelt hat. Seit 1978 betreibt zudem der Verein Spielhaus Jarrestadt e.V. in einem kleinen Häuschen im Park vor der Schule Meerweinstraße eine Einrichtung, die Spiele an Jung und Alt ausleiht. Dieses Haus ist auch beliebter Treffpunkt für verschiedene Stadtteilgruppen und Ort für Familienfeiern. Auch die SPD-Jarrestadt tagt dort an jedem dritten Montag im Monat. Seit gut einem Jahrzehnt hat sich auch die örtliche Epiphanien- Kirchengemeinde verstärkt den Interessen des Stadtteils geöffnet und spielt wieder eine wahrnehmbare und gewichtige Rolle im Stadtteilleben. Daneben gibt es mehrere Kleingarten-Vereine. Seit 1997 bereichert auch die Freiwillige Feuerwehr Winterhude den Stadtteil, die seitdem am Wiesendamm 36 ihr Feuerwehrhaus hat, und mit ihren um die 300 Einsätze im Jahr zu den am stärksten geforderten freiwilligen Wehren in Hamburg gehört. Die Wehr hat auch eine Jugendfeuerwehr.

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